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Weihrauch

Weihrauch

Seine außergewöhnliche Heilwirkung neu entdeckt  / von Dr. Ernst Schrott

Weihrauch BuchtitelWeihrauch (Boswellia serata) ist das natürliche Harz von Balsambaum-Gewächsen. Die Familie dieser tropischen Baumpflanzen umfasst etwa 300 verschieden Arten, die alle die gleiche Gemeinsamkeit aufweisen: sie sondern in speziellen Exkretgängen der Rinde aromatische Balsame beziehungsweise Harze ab. Die Hauptanbaugebiete sind Südarabien, die ostafrikanische Küste und Ost-Indien.

Verfolgen wir seine jahrtausende alte Geschichte zurück, dann wird klar: Dieses Duftharz hat die Menschen fasziniert! Als Räucherstoff und Aromastoff eroberte es die antike Welt. Ob im alten Ägypten, bei den Babyloniern, Assyrern, Phöniziern oder Persern, bei den Israeliten oder den alten Griechen und Römern – sein spiritueller Wohlgeruch erfüllte Tempel, Kirchen und Synagogen und stimmte zu Gebet und innerer Sammlung.

Anwendungen im Altertum

Weihrauch fand aber auch vielfältigen Einsatz für medizinische Zwecke, als Heilmittel in unterschiedlichster Verwendungsart: zum Räuchern und Desinfizieren, zur innerlichen und äußerlichen Anwendung gegen verschiedenste Krankheiten.

Wegen seines breiten Wirkspektrums sind uns zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten des Weihrauchs durch die bekanntesten Ärzte der damaligen Zeit überliefert. So wird ein Gemisch aus zerstampftem Weihrauch und Honig im ältesten ägyptischen Schriftstück, dem Papyrus Ebers (16. Jahrhundert v. Chr.), einem Handbuch für praktische Ärzte, als Heilmittel genannt. Im frühen mittelalterlichen Persien (um 1100) setzten die Heilkundigen Weihrauch gegen Sommersprossen, Pockennarben, und Tollwut ein. Arabische Ärzte kannten über 80 Zubereitungen gegen Hautkrankheiten, wie Wundrose, empfahlen Weihrauchdampfanwendungen bei Schnupfen oder verordneten das Harz als Anti-Brechmittel und gegen übermäßigen Blutfluss. Im alten China wurden mit Weihrauchzubereitungen vor allem Hautleiden, darunter die Lepra, behandelt.

Hippokrates, Celsus, Galen und Dioskurides waren in der griechisch-römischen Antike die namhaftesten und auch richtungsweisenden Ärzte ihrer Zeit. Auch sie setzten Weihrauchharz und -rinde in allen Variationen ein: als Salbenzubereitung bei Brandwunden und Frostbeulen, bei Schuppenflechte oder Warzen oder als Pulver zum Reinigen und Desinfizieren von Wunden und zur Blutstillung. Spezielle Einläufe mit Weihrauchbeimischungen wurden bei Verstopfung verordnet, Inhalationen mit dem Rauch besserten Bronchitis, Gurgelwasser half bei Mandelentzündungen, und Umschläge linderten Leibschmerzen. Innerlich angewendet, trieb der Weihrauch Band- und Spulwürmer ab und stoppte Durchfall.

Breites Wirkspektrum

Ungeachtet der unterschiedlichen Zeitepochen und geographischen Entfernungen kamen die Ärzte zu bestimmten übereinstimmenden Heilanzeigen. Immer wieder genannt wurden die Blutstillung, katarrhalische Krankheiten, Bronchitis, Magen-Darmstörungen, Infektionskrankheiten, Verletzungen und die Gicht, mit der nach damaliger Terminologie alle rheumatischen Krankheiten gemeint sein könnten.

Das Wissen um die therapeutischen Wirkungen des wertvollen Harzes wurde bis ins Hochmittelalter weitergegeben. Weihrauch wurde dabei oft bei ganz ähnlichen Indikationen verordnet, wie ihn auch die Ärzte der antiken Welt gebrauchten. Auch der große Arzt Paracelsus verwendete ihn als Heilmittel. Weihrauchhaltige Elixiere gab es schließlich sogar noch um die Jahrhundertwende in der Apotheke.

Eine Legende meldet sich zurück

Es ist vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet der Weihrauch, die Symbolpflanze der Antike mit seiner herausragenden Bedeutung in der alten Medizin, der Religion und des gesellschaftlichen Lebens, sich im Hightech-Zeitalter einer mit modernsten Apparaturen ausgestatteten Medizin zurückmeldet. Vor allem als Heilmittel ist der Weihrauchextrakt fast in Vergessenheit geraten. Heute, wo sich Ost und West, Morgenland und Abendland begegnen, wo sich uralte Medizinsysteme Asiens, der Ayurveda, chinesische Heilverfahren, japanische Körpertherapien oder Pflanzenpräparate mitten in der Hochburg der modernen Gerätemedizin behaupten können, wird Weihrauch wieder gesellschaftsfähig.

Medikamente sind wichtig, aber nicht alles

Medikamente – ob pflanzlich oder synthetisch hergestellt – können im Einzelfall viel leisten, sie sind aber nicht alles! Wer seinen Körper tagaus tagein mit Nikotin vergiftet, wer regelmäßig zuviel, zu schwer oder wider seine Natur isst, wer seinem Nervensystem permanenten Stress zumutet oder keine Möglichkeit hat, einen Kummer oder die Angst, die ihm die Freude am Leben nimmt, zu bewältigen, der kann nicht erwarten, dass seine Gesundheit davon auf Dauer unberührt bleibt. Wir sollten daher unseren Körper durch eine vernünftige Lebensweise gesund erhalten und Krankheiten dadurch heilen, dass wir möglichst ihre zugrundeliegenden Ursachen erkennen und beseitigen. Wenn auch ayurvedische Präparate Krankheiten bessern oder beseitigen können, so ist es doch wichtig, grundlegend und ganzheitlich zu behandeln und durch die richtige Ernährung, durch Reinigungstherapien oder Entspannung und Meditation die Heilung zu unterstützen oder erst möglich zu machen.

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages aus: Weihrauch – Seine außergewöhnliche Heilwirkung neu entdeckt, Dr. med. Ernst Schrott, AURUM Kamphausen  Verlag, ISBN 3-89901-013-2

Erhältlich über den Buchhandel

Ayurveda Journal 4 · Seite 23

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