PMS – prämenstruelles Syndrom
Auszug aus dem „Praxis Handbuch Ayurveda“ von Dr. Rhyner
Zur Vorsorge und Behandlung von Frauenkrankheiten bieten sich ayurvedische Therapien geradezu an. Diese Behandlungsformen kommen auch ohne die Abgabe von Hormonen aus, dem »Allheilmittel« der modernen Gynäkologie!
Ich habe mich vorher schon zur berühmtesten aller Pillen ausgelassen. Eine empfängnisverhütende Maßnahme sollte meiner Meinung nach individuell einsetzbar sein und nicht zwangsweise zu einer Langzeitmedikation führen. Und dann wacht die Wissenschaft plötzlich auf und warnt vor dem Verschreiben von Hormonen als Prophylaxe bei Osteoporose. Bislang wurden unsere Warnungen in den Wind geschlagen. Die allgemeine Verunsicherung unter Frauen ist komplett. Welche Therapien sinnvoll sind und welche nicht, finden die Patienten oft erst nach längerer Behandlung heraus.
Der Menstruationszyklus
Ein regelmäßiger Menstruationszyklus dauert mit erheblichem physiologischem Schwankungsbereich, aber bei meist individueller Konstanz, 28 Tage. Die Abstoßung des Endometriums dauert in der Regel vier Tage. Bei gesunden Frauen sollten weder Schmerzen noch ein Brennen in den Geschlechtsorganen entstehen und die Blutung selbst ist weder schleimig noch sehr viel oder sehr wenig. Die Farbe des Blutes ist dunkelrot und Flecken in der Wäsche lassen sich auswaschen, wogegen sich Flecken von nichtphysiologischem Menstruationsblut kaum oder nicht entfernen lassen.
In der ersten Phase des Menstruationszyklusses, wenn der Hormonentzug dazu führt, dass die Blutung einsetzt, herrscht Vata-Dosha vor. Bei Frauen mit dominantem Vata in ihrer Konstitution, bei Vata- und Vata-Pitta-Typen sowie bei einem Vata-Überschuss kommt es deshalb leicht zu schmerzhaften Perioden mit starken Krämpfen. Diese Phase dauert in der Regel etwa vier Tage und heißt Rajahkala.
Ursachen von PMS
Das prämenstruelle Syndrom ist charakterisiert durch körperliche und psychische Veränderungen, die nach dem Eisprung auftreten und mit Beginn der Menstruation nachlassen. Bitte erinnern Sie sich an die von den verschiedenen Dosha gesteuerten Abschnitte des weiblichen Zyklus: Einige Zeit nach dem Eisprung schwillt der Pitta-Anteil an. Er entwickelt sich von Kapha-Pitta zu Pitta und dann zu Vata-Pitta in der letzten Phase.
Einen direkten Hinweis auf PMS gibt es in der klassischen Literatur nicht. Aber PMS zeigt Symptome aller drei Doshas mit vorwiegender Pitta-Dominanz. Schlechte Ernährung, Stress, Unterdrücken der natürlichen Dränge, Reisen, Probleme mit Sexualität sind weitere Ursachen.
Symptome
Nervosität, Affektlabilität, Verstimmungen, schmerzhafte Spannungen, Hautveränderungen, Hitzewallungen, Völlegefühl, Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Krämpfe, Ödeme, Anschwellen der Brüste, Blähungen, Stimmungsschwankungen und Doshaspezifisch:
- Vata: Angstzustände, Verstopfung, Schlaflosigkeit, Krämpfe, Nervosität, Tinnitus, Stimmungsschwankungen, trockene Haut, Kältegefühl.
- Pitta: Durchfall, Durst, Reizdarm, Fieber, Hitzegefühl, Akne, Hautreizungen, Wut, Reizbarkeit.
- Kapha: Schweregefühl, Gewichtszunahme, Ödeme, Müdigkeit, Appetitverlust, Schwindel, Blutandrang, Mastitis.
Therapie
Hier sollte jeweils Doshaspezifisch behandelt werden:
Vata-PMS: Stellen Sie eine Woche vor Einsetzen der Beschwerden auf eine Anti-Vata-Ernährung um: warme Speisen mit Ghee, Öl, Knoblauch, süß und sauer. Rote Steine wie Rubin, Granat, rote Koralle. Yoga-Übungen wie Shavasana, Pranayama und Meditation eignen sich gut. Shirodhara (Öle mit Brahmi, Jatamansi); Anuvasana und Niruha Vasti; Nasya mit Anu Thaila; leichte Massage mit warmem Vata-Öl auf Stirn, Bauch und Vagina. Gute Medikamente sind je 1/2 TL Shatavari und Ashwagandha dreimal täglich in Ingwertee und 1/2 TL Jatamansi vor dem Schlafen.
Pitta-PMS: Beginnen Sie mit einer Pitta-reduzierenden Ernährung mit Gewürzen wie Koriander und Kreuzkümmel. Weiße Perlen, Mondstein, Koralle sind alles sehr kühlende Steine, die hier das überschüssige Pitta leicht reduzieren können. Yoga-Übungen wie Shitali Pranayama, Shavasana und Meditation. Leicht abführende Maßnahmen mit Trifala, Avipattika Churna (2-3 TL mit 1-2 Glas Wasser direkt vor dem Schlafen); Nasya mit Kshirabala 7 x. Gute Präparate sind Shatavari Ghee oder Shatavari Churna (je 1 Teelöffel), Brahmi-Kapseln (2 x 2); Kumariasava dreimal 25 ml (ca. 2 EL); Sandelholz-, Rose- oder Jasminessenzen.
Kapha-PMS: Eine pikant gewürzte, leichte Anti-Kapha-Ernährung mit bitteren, herben und warmen Speisen und Getränken. Lassen Sie Milchprodukte lieber weg. Edelsteine wie Rubin, Granat und Diamant zeigen eine gute Wirkung. Sonnengruß, Vajrasana, Pranayama durch die rechte Nasenöffnung sind Yoga-Übungen, die Sie täglich ausführen sollten. Nasya mit Anu oder Shadbindu Thaila, Udvartana, Thalodal sind die idealen Therapien. Gute Präparate sind dreimal 1 TL Aloe-Gel, zweimal 1/2 TL Trikatu, Triphala Guggulu (2 x 2).
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist Auszug aus dem neu überarbeiteten „Ayurveda Praxis Handbuch“ von Dr. Rhyner. Das Buch richtet sich in erster Linie an ayurvedisch praktizierende Ärzte oder Therapeuten. Es enthält die gesamte Theorie, aber auch ganz besonders Anweisungen für die Praxis. Für interessierte Laien, die sich intensiver mit dem Ayurveda befassen möchten, kann dieses Buch ebenfalls äußerst nützlich sein.
Ayurveda Journal 3 · Seite 12
Hans H. Rhyner
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