Abhyanga
Die Ölbehandlungen des Ayurveda für zu Hause
Der tägliche Abhyanga (Ölmassage) wird empfohlen, um den Körper zu reinigen und gleichzeitig den Geist zu entspannen. Denn die Haut ist das größte Organ des Menschen und über Nervenbahnen und Reflexwirkungen mit allen inneren Organen verbunden. Daher lassen sich über die Hautoberfläche Körper und Geist sowie allgemeine Gesundheit positiv beeinflussen. Das geeignete Öl vermag Stoffwechselabbauprodukte in den Zellen zu lockern, sodass die körpereigenen Entgiftungssysteme von Haut, Nieren und Darm diese Ablagerungen ausscheiden können. Das Abhyanga sollte nach Möglichkeit zum festen Bestandteil der Körperhygiene werden.
Der Nutzen des Abhyanga
Bei regelmäßiger, wiederholter Anwendung des Abhyanga nimmt die Gesundheit auf allen Ebenen zu. Zuerst merken Sie vielleicht „nur“, dass Sie sich vitaler, kräftiger fühlen, beim Gehen schwungvoller ausschreiten oder dass Ihre Muskeln sich stärker anfühlen. Vielleicht fühlen Sie sich auch weniger müde als sonst. Die Ursache: Die innere Intelligenz fließt wieder ungehinderter durch den Organismus. Störungen im Feingefüge des Körpers werden nach und nach wieder ausgeglichen und die Selbstheilungskräfte werden aktiviert.
Tägliches Abhyanga:
- regt den Kreislauf an
- verbessert den Schlaf
- stärkt und beruhigt das Nervensystem
- gleicht das System der Hormone aus
- macht Muskeln, Gewebe und Gelenke geschmeidig und kräftigt sie
- macht die Haut sanfter, strahlender und jünger
- stärkt die Verdauungskraft
- entfernt Toxine
- beugt Krankheiten vor
- verjüngt
- gleicht Gefühle aus und öffnet das Herz
Verwendete Öle
Das für den Abhyanga verwendete Heilkräuteröl muss höchsten Ansprüchen genügen: Es soll schließlich unsere innere Intelligenz beleben und dadurch die Leichtigkeit und Durchlässigkeit des Körpers erhöhen, die Lebendigkeit des Menschen verbessern und so zu vermehrtem Wohlbefinden, Vitalität und Freude führen.
Für den Abhyanga sollten nur unbehandelte pflanzliche Öle bester Qualität zur Anwendung kommen. Kaltgeschlagenes Sesamöl aus erster Pressung ist erste Wahl. Alternativ können Sie Olivenöl, Kokosöl oder Sonnenblumenöl je nach Konstitution benutzen. Doch gleichgültig, welches Öl Sie nehmen: Seine Wirkungen werden sich intensivieren, wenn Sie es vor Gebrauch reifen. Dazu müssen Sie es einmal auf etwa 100 Grad Celsius erhitzen. Durch den Reifungsprozess entstehen vermehrt antioxidative Substanzen (Sesamol), die freie Radikale auffangen. Außerdem zieht gereiftes Öl besser in die Haut ein, da es geschmeidiger und dünnflüssiger wird. Übrigens: Die Wirkung des Reifens verliert sich bei längerem Stehenlassen nicht.
Ayurveda-Heilkundige können den Abhyanga als einen bewährten Baustein in der Therapie aller Dosha-Störungen und sogar bei der Behandlung von Krankheiten einsetzen. Dabei nutzen sie die Heilkraft speziell ausgewählter Heilkräuter, die mit dem Öl tief in die Haut einziehen und den Körper in die gewünschte Richtung umstimmen.
Charak Samhita Sutrasthan 27, 286: „In richtiger Kombination und Verarbeitung mit anderen Heilkräutern vermag das Sesamöl jede Krankheit zu vertreiben.“
Die Zubereitung der Heilkräuter ist eine so aufwendige Prozedur, dass sie in der Küche zu Hause nicht durchgeführt werden kann. Die Substanzen der Pflanzen werden durch Abkochung in großen Wassermengen, durch das stundenlange Mitkochen in einem Wasser-Öl-Gemisch verfeinert, bis sie ihre Heilwirkung schließlich an das Öl abgegeben haben.
Durchführung
In der Regel wird empfohlen, den Abhyanga frühmorgens auszuführen – eine gute Vorbereitung für den Tag. Die Streichbewegung der Hände mit der Wuchsrichtung der Körperhaare wirkt beruhigend und besänftigend auf den Körper und gleicht alle Arten von Vata-Störungen aus. Das Rückwärtsstreichen entgegen der Wuchsrichtung der Körperhaare belebt den Zellstoffwechsel, regt die Durchblutung und die gesamten Hautfunktionen an und fördert den Abbau von Stoffwechselablagerungen. Der Wechsel in der Strichrichtung bewirkt eine sehr ausgewogene Behandlung: Eine so durchgeführte Ölanwendung hilft dem Körper zu entschlacken, während sie gleichzeitig eine entspannende und stressreduzierende Wirkung auf Körper und Geist hat.
Legt man die gesamte Handfläche auf, sodass sie sich ganz natürlich dem Körper anpasst, so ist diese Handhaltung für den Abhyanga ideal. Dabei berühren der Handballen und die Innenseite aller Finger bis hin zu den Fingerendgliedern die Haut. Vermeiden Sie auf jeden Fall, punktuell in den Körper einzudringen, ganz gleich an welcher Stelle, oder mit spitzen Fingern zu behandeln.
Wärmen Sie das Öl auf ca. 40 Grad Celsius an. Ölen Sie sich zuerst von oben bis unten ganz und gar ein und führen Sie im Anschluss daran die eigentlichen Streichbewegungen durch.
Sie können die Behandlungen teilweise stehend und teilweise im Sitzen ausführen. Die Hauptsache ist, dass Sie dabei eine für Sie bequeme und entspannte Haltung einnehmen.
Gerade Körperpartien wie Ober- und Unterarme, Ober- und Unterschenkel sowie Rücken können Sie mit großen auf- und abführenden Längsstrichen behandeln. Den Gelenken schenken Sie durch kreisende Bewegungen besonders viel Aufmerksamkeit. Wenn es möglich ist – beispielsweise an Beinen, Rumpf und Kopf – bewegen Sie beide Hände an einander entsprechenden Körperpartien synchron.
Das Ölen von Kopfhaut und Ohren gilt als besonders förderlich. Spüren Sie im Gesicht, welche Bereiche besondere Beachtung brauchen. Fürs Gesicht legen Sie immer mehrere Fingerkuppen nebeneinander und behandeln Sie mit dem Handballen, wo es einfacher und leichter geht.
Am Hals können Sie an allen Seiten auf- und abstreichen. Über Schultern, Ellenbogen und Handgelenke können Sie kreisen. Fahren Sie über den Brustkorb hin und her oder kreisen Sie, wenn es Ihrem natürlichen Empfinden entgegenkommt. Den Bauch sollten Sie in jedem Fall mit großen Kreisen im Uhrzeigersinn, dem Verlauf des Dickdarms folgend, behandeln.
Die Beine können Sie wieder synchron mit beiden Händen parallel massieren. Hüft-, Knie- und Fußgelenke wieder mit kreisenden Bewegungen massieren, Ober- und Unterschenkel mit Auf- und Abstrichen.
Die Füße tragen die Last des gesamten Körpers. Sie sollten sie daher ganz besonders ausführlich verwöhnen.
Als Zeitrahmen für die Ölbehandlung werden in der Regel 5 - 10 Minuten täglich empfohlen. Optimal ist es, wenn Sie das Öl nach der Massage noch 10 Minuten auf der Haut lassen. Nicht durchgeführt werden sollte Abhyanga eine Stunde vor und nach dem Essen, während der Menstruation, bei Erkältungen und spätabends (nach Sonnenuntergang).
Der Text wurde entnommen aus „Abhyanga – Die Ölbehandlung des Ayurveda für zu Hause“ von Dr. Karin Pirc. Erschienen im Haug Verlag. ISBN 3-8304-2117-6. 14,95 Euro
Dr. Karin Pirc ist leitende Ärztin des Gesundheitszentrum in Bad Ems
Ayurveda Journal 2 · Seiten 10 - 11





