Südindien – Kerala – dem Reisenden schlägt beim Aussteigen aus dem Flugzeug tropisch-feuchte Wärme entgegen. Aber auch alle anderen Sinne werden in ungewohnt intensiver Art angesprochen: Bunte Gewänder, fremdartige Gewürze und ein Verkehr, der selbst metropolenerprobte Globetrotter je nach Veranlagung schaudern oder zumindest staunen lässt.

Es ist sicher leichter, in diesen bunten, fremdartigen Alltag einzutauchen, wenn man einen verständigen Mittler zwischen den Kulturen an seiner Seite weiß. Diese Möglichkeit bietet in vorbildlicher und erprobter Weise schon seit einigen Jahren das vielschichtige BASIS INTERNATIONAL Projekt in Sreekandamangalam („Ort von Shiva“).

Die Gründer dieses Projektes, der Agraringenieur Dr. Mathew Moozhiyil und seine Frau Leelamony haben während ihres 20jährigen Aufenthalts in Deutschland beschlossen, das BASIS Projekt aufzubauen, dessen Ziel sie selber folgendermaßen beschreiben:

Ziel ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfes die Möglichkeit zu geben, durch Eigeninitiative ihre Selbstständigkeit zu entwickeln und ihre Lebenssituation zu verbessern.

Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem nachhaltigen süddeutschen Reiseveranstalter travel-to-nature/Wasch-bär–Reisen ist es gelungen, über die Jahre das Projekt immer weiter auszubauen und einer inzwischen stattlich angewachsenen Zahl an deutschen Gästen auf sehr persönliche Weise das alltägliche Leben in einem indischen Dorf nahezubringen. Dabei achtet die Familie Moozhiyil und ihre Mitarbeiter streng darauf, die mit Tourismus verbundenen möglichen Belastungen und Einschränkungen für die Dorfbevölkerung möglichst gering zu halten. Dass dieser oberste Leitsatz erfolgreich beachtet wird, zeigt nicht zuletzt, dass die angebotene Reise „Indien – Leben in einem südindischen Dorf“ mittlerweile mehrfach ausgezeichnet wurde, u.a. 1997 mit der „Golden Palme“ der Reisezeitschrift GEO SAISON und 2001 mit dem renommierten TODO! Reisepreis des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung.

Ayurveda Zentrum im Aufbau

Der neueste Zweig des BASIS Projekts ist der Aufbau eines kleinen Ayurvedazentrums. Dabei war es nicht der Plan der Familie Moozhiyil, eine isolierte „Wellnessoase“ zu schaffen, sondern auch in diesem Bereich die Kultur der Gäste mit der der indischen Gastgeber schonend zusammenzuführen.

Bei aller Rücksicht auf das Wohlbefinden der gastgebenden Bevölkerung hat aber selbstverständlich das Erholungsbedürfnis der maximal 12 Gäste, die die original keralesischen, mit Holzschnitzereien versehenen Holzhäuser bewohnen, oberste Priorität. Um dieses Erholungsbedürfnis zu stillen, hält das Ayurvedazentrum einige Angebote bereit.

Neben den Anwendungen der eigentlichen Ayurveda Kur lässt sich für die überschaubare Gruppe der Gäste immer spontan die Teilnahme an Feierlichkeiten (Tempelfeste, Hochzeiten) in der Umgebung organisieren.

Als betreuenden Arzt hat Mathew Moozhiyil Dr. ayur. Satyadev ausgewählt, aus einer Familie mit langer ayurvedischer Tradition stammend, der derzeit auch seinem Sohn seine große ayurvedische Erfahrung weitergibt. Er hat seine Praxis im Nachbardorf, wo die Betreuung der Kurgäste während des Praxisalltags ganz traditionell stattfindet. Die Masseure, Tanz- und Yogalehrer, die zu den Gästen in das Zentrum kommen, sind erfahrene Fachkräfte, die zum Teil auch in Ausbildungsstätten der Umgebung lehren.

Indien nachhaltig kennenlernen

Auch Aktivitäten wie gemeinsame Stadtausflüge nach Cochin, Allepey oder Kottayam, eventuell auch verbunden mit Bootsfahrten auf den Backwaters, bieten die Möglichkeit, auch über die Grenzen von Sreekandamangalam hinaus Kerala zu erfahren.

Wem der Sinn nicht nach organisierten Gruppenunternehmungen steht, der kann die Kunsthandwerkstätten und Ateliers des Projekts nutzen, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und sie mit den Dorfbewohnern, für die die Werkstätten auch gleichzeitig Ausbildungsstätten für ein unabhängiges Leben sind, zu teilen. Das BASIS Projekt hält u.a. eine Buchbinderei, eine Buchdruckerei, ein Malatelier, eine Metall- und Holzwerkstatt sowie eine Näherei bereit. Die ayurvedischen Mahlzeiten, bei deren Zubereitung Leelamony Moozhiyil streng auf die Einhaltung deutscher Hygienevorstellungen achtet, werden frisch aus den Produkten der projekteigenen biologisch dynamischen Gärten zubereitet.

Ganz wichtig aber, und von allen bisherigen Gästen geschätzt, ist die herzliche, familiäre Art, mit der die Familie Moozhiyil und ihre Projektmitarbeiter die Gäste empfangen und über den individuellen Zeitraum ihres Aufenthalts hin betreuen. Getragen werden sie dabei von dem Wunsch, den deutschen Gästen die indische Art des Miteinander-Lebens und die indische Kultur, zu der eben als ein kleiner Teil auch die ayurvedische Behandlung gehört, nahezubringen. Dass das BASIS Projekt mit seinen Einrichtungen dafür die ideale Grundlage bildet, zeigt auch, dass die Ayurvedakur-Reise ebenfalls mit der Goldenen Palme von GEO SAISON ausgezeichnet wurde. „Nach-haltiges Reisen, von dem alle beteiligten Seiten ihren individuellen Nutzen haben!“

Ayurveda Journal 3 · Seite 22

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Steffen Wagener

Jahrgang 1967, Studium der Rechtswissenschaften. Arbeitete bei einem großen Umweltdachverband sowie in der Umweltbildung, bevor er seit 1999 beim Reiseveranstalter travel-to-nature u.a. mit der Abwicklung des BASIS-International-Ayurveda-zentrums betraut wurde.