Neben Karies, die sich aufgrund erfolgreicher Individual- und Gruppenprophylaxe auf dem Rückzug befndet, leidet nach wie vor etwa die Hälfte aller Erwachsenen an Zahnbett-erkrankungen, mit all ihren negativen Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit. Die Schul-medizin konnte daran bis heute nichts Grundsätzliches ändern – trotz systematischer Be- handlung von Parodontitis, wissenschaftlichen Untersuchungen zu den verantwortlichen Bakterien und gezielten Antibiotikaempfehlungen.

Woran liegt das?

Neben erblichen Faktoren sind als Gründe für die Entstehung von Zahn- und Mundkrankheiten bei Erwachsenen vor allem Fehlernährung und eine mangelnde Hygiene der Mundhöhle zu nennen. Daher ist es wenig zielführend, diesen Krankheiten mit rein symptomatischen Thera- pien, wie der Entfernung von Ablagerungen oder Antibiotikagabe, begegnen zu wollen. Vielmehr muss die „toxische“ Vermehrung der Krankheitserreger im Keim erstickt werden.

Vermeide die Gefahr, bevor sie entstehen kann.

In diesem Sinne sind ayurvedische Mundhygienemaßnahmen wie Zungenreinigung und Ölspülungen (Ölziehen) neben konventioneller Zahnpflege besonders effektiv. Dieses uralte Wissen ist bereits in den klassischen Schriften des Ayurveda, wie der Charaka Samhita, beschrieben.

Wie sollte die Mundpflege als Teil der ayurvedischen Tagesroutine gestaltet werde

  1. Zungenreinigung – Morgens nach dem Aufstehen sollte als erstes die Zunge mit einem    Zungenschaber aus Edelstahl vom Zungengrund nach vorn unter mäßigem Druck in mehreren gleichmäßigen Zügen gereinigt werden. Dabei wird bereits ein beträchtlicher Teil der über Nacht angesammelten Keime und Schlackenstoffe entfernt.
  2. Ölziehen (Gandusha) – Für das Ölziehen eignet sich besonders gereiftes Sesam-, Kokos- oder Sonnenblumenöl, oder auch ein spezielles ayurvedisches Mundspülöl. Ein Esslöffel Öl wird im Mundund Rachenraum hin- und herbewegt und durch die Zahnzwischenräume gezogen, bis sich eine weißliche Flüssigkeit bildet. Diese sollte unbedingt ausgespuckt und auf keinen Fall geschluckt werden, da Krankheitserreger enthalten sind. Als vorbeugende
    Maßnahme bei gesundem Mundmilieu sind täglich 5 bis 10 Minuten Ölziehen ausreichend. Bei bestehenden Erkrankungen, wie schwerer Parodontitis, ist eine Einwirkzeit von 15 bis 20 Minuten sinnvoll, da nur so die tieferen Bereiche der Zahntaschen erreicht werden. Auch eine Wiederholung dieser Prozedur sofort oder am Abend kann in diesen Fällen empfohlen werden.
  3. Zähneputzen – Zuletzt wird eine konventionelle Zahnreinigung mit einer weichen bis mittel-harten Zahnbürste durchgeführt, vorzugsweise unter Verwendung ayurvedischer Zahn- cremes oder Pulver. Dies dient zur Entfernung von evtl. verbliebenem Zahnbelag (Plaque). Ergänzend können Zahnseide (Superfloss) oder Interdentalbürstchen schonend verwendet werden.

Zusammenfassung

Die einfach durchzuführende und kostengünstige ayurvedische Mundpflege hat nicht nur einen äußerst positiven Effekt auf die Mundhöhle selbst, sondern sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Entgiftung des gesamten menschlichen Körpers. So trägt sie zur Verbesserung des Allgemeinzustands bei und hilft unter anderem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen- Darm-Erkrankungen vorzubeugen sowie das Immunsystem zu stärken. Nebenwirkungen dieser ayurvedischen Anwendungen, außer gelegentlicher Übelkeit beim Ölziehen, sind im Allgemeinen nicht zu erwarten. Selbstverständlich kann ayurvedische Mundpflege keine notwendigen zahnärztlichen Behandlungen ersetzen, auch professionelle Zahnreinigungen durch zahnärztliches Fachpersonal behalten ihre Bedeutung.

Erschienen im Ayurveda Journal 53

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Ayurvedisch Leben“.

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