Das Superwoman-Dilemma

In der heutigen modernen Welt nehmen die meisten Frauen viele unterschiedliche Rollen ein, z. B. als Berufstätige (oft mit viel Verantwortung), Lebenspartnerin, Mutter, Freundin und viele mehr. Trotz ihrer besten Versuche lassen sich nicht immer alle an sie gestellten Anforderungen und ihre eigenen Bedürfnisse miteinander vereinen. Während Frauen versuchen, allem gerecht zu werden, verlieren sie oft den Kontakt zu sich selbst.

Die Konsequenzen

Schlechter Stoffwechsel, unruhiger Schlaf, ständige Gereiztheit sowie Müdigkeit, reduzierte Libido, andauernde Muskelverspannungen und Frustration sind häufig die Folgen, die sogar in Burn-out oder Depression enden können. Frauen riskieren unter der drückenden Last der Aufgaben und Rollen Gesundheit, Energie und Wohlbefinden.

In unserer neuen Rubrik „Ayurveda und Frauen“ möchten wir Tipps und Hinweise geben, wie, wann und in welchen Lebenslagen der Ayurveda Frauen zur Seite stehen kann. Welche Ideen hält das alte Wissen bereit, die auch in der Moderne gelten und uns Hilfestellung geben, um glücklich und gesund zu bleiben? Wir beleuchten die verschiedenen Lebensbereiche und Rollen einer Frau und teilen mit Ihnen unser Wissen über wichtige Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung des allgemeinen weiblichen Wohlbefindens.

In dieser Ausgabe starten wir mit einem Überblick über die vier Säulen der Gesundheit, deren Beachtung einer Frau in jeder Lebenslage Kraft und Energie schenken kann. In den folgenden Heften werden wir einzelne Lebensbereiche detaillierter betrachten.

Die vier Säulen der Gesundheit

Laut der Vagbhat Samhita (einer der alten, klassischen ayurvedischen Texte) kann sich die Frau anhand von vier Gesundheitssäulen stärken, wenn sie diesen Aufmerksamkeit schenkt:

  1. Der Körper

Neben ausgeglichenen Doshas (Bioenergien), gesundem Agni (Verdauungsfeuer), gesunden Malas (Ausscheidungen) und Dhatus (Körpergeweben) ist die wichtigste Basis für viel Lebens-energie im Ayurveda ein gut aufgefüllter Ojas-Haushalt. Ojas ist die essenzielle Lebenskraft, die uns Energie und körperliche Ausdauer gibt. Es ist das feinste Endprodukt unseres Stoff-wechsels und entsteht, wenn die Verdauung optimal funktioniert und unsere Dohas im Gleich-gewicht sind. Ojas verhilft uns zu Glanz und Ausstrahlung.

Folgende ayurvedische Maßnahmen helfen, Ihren Ojas-Haushalt aufzufüllen:

  • Eine gute Ernährung nach den ayurvedischen Richtlinien der individuell idealen Kost und zu den biorhythmischen Zeiten ist die wichtigste Säule, um viel Ojas bilden zu können.
  • Essen Sie hauptsächlich frische, biologische Lebensmittel, die viel Ojas liefern, wie z. B. Reis, Mandeln, Datteln, Cashewnüsse, Rosinen, Ghee und Milch.
  • Fachen Sie Ihr Agni mit Gewürzen wie Kreuzkümmel, Kurkuma, Anis und Fenchel, an oder essen Sie regelmäßig eine Scheibe frischen Ingwers vor dem Essen.
  • Um Schlacken (Ama) vorzubeugen, nehmen Sie zudem keine Süßigkeiten, Fleisch-produkte, Fast Food, Alkohol oder Soda-Getränke und im Winter nur wenig Rohkost zu sich.
  • Planen Sie regelmäßig Pausen ein, damit alle Aufgaben möglichst ohne Zeitdruck erledigt werden können.

2. Der Geist

Um die Geistesfunktionen im besten Gesundheitszustand zu halten, ist ein zufriedener und positiv ausgerichteter Geist die allerwichtigste Grundlage.
Das A und O im Leben ist die innere Einstellung. Jegliche Anforderung wird um ein Vielfaches leichter empfunden, wenn man sich dafür entscheidet, alles positiv und gelassen anzugehen. Gute Tricks sind z. B. mehrmals täglich bewusst zu lächeln oder Lachyogaübungen einzu-bauen, gerade an stressigen Tagen. Dabei werden Stresshormone abgebaut sowie Glücks-hormone ausgeschüttet, und Ihre Umwelt wird es lieben, mit Ihnen zu lachen! Pflegen Sie zudem Ihren Schlaf, als wäre er Ihnen heilig. Gehen Sie rechtzeitig zu Bett (idealerweise um 22 Uhr). Eine Fußmassage mit Ghee beruhigt und unterstützt eine erholsame Nachtruhe.

3. Die Sinne

Die fünf Sinne sind eine Brücke zwischen dem Geist und Körper. Alles was wir mit unseren fünf Sinnen erleben, kann Geist und Körper stärken oder schwächen. Entscheiden Sie sich bewusst für mehr stärkende Maßnahmen als schwächende.

Sehen:

Schwächt: zu viel PC-Arbeit, zu viel lesen, negative Filme oder TV-Nachrichten

Stärkt: Rosenwasserpads auf die Augen legen, vor dem Schlafen einen Tropfen Ghee in die Augen geben, in die Ferne schauen

Riechen:

schwächt: Schnupfen, unreine Luft

stärkt: Nasya, Blumengarten- und Naturspaziergänge, frische Luft, ätherische Öle

Fühlen:

schwächt: Mangel an Berührung und Intimität

stärkt: warme Ölmassagen für die ganze Familie, erfüllte Sinnlichkeit

Schmecken:

schwächt: Chemie im Essen, hastiges Essen, Rauchen

stärkt: morgendliches Ölziehen, frische naturbelassene Nahrung

Hören:

schwächt: negative Botschaften, Streitereien, übermässiges Schwätzen, Lästern

stärkt: positive Zeit mit Freundinnen, Mantra-Musik, Ihre Lieblingsmusik, Kopfmassagen, warmes Sesamöl in die Ohren geben.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

4. Die Spiritualität

Spiritualität stärkt Ihre Beziehung zur Natur und dem Universum und schenkt Erdung sowie Gelassenheit. Nehmen Sie Ihre täglichen Aufgaben in Dankbarkeit und Hingabe an. Regelmäßige Yoga- und Meditationsrituale helfen, den Geist zu reinigen und auszugleichen. Richten Sie sich regelmäßig Zeit dafür ein.

Zum Schluss: Achtsamkeit hilft

Auch die moderne Frau kann sich des alten Wissens bedienen, um gesund und energiegeladen zu bleiben. Orientieren Sie sich an den vier Gesundheitssäulen und schenken Sie sich Selbstliebe, Zeit und Achtsamkeit. Im Kontakt mit sich selbst finden Sie Ruhe und können Auch die moderne Frau kann sich des alten Wissens bedienen, um gesund und energiegeladen zu bleiben. Orientieren Sie sich an den vier Gesundheitssäulen und schenken Sie sich Selbstliebe, Zeit und Achtsamkeit. Im Kontakt mit sich selbst finden Sie Ruhe und können auftanken.

Erschienen im Ayurveda Journal 53

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Ayurvedisch Leben“.

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Vanita Kansal
ist Heilpraktikerin und Ayurveda-Medizinerin. Sie schloss ihr sechsjähriges Studium 2006 mit Auszeichnung ab. Anschließend arbeitete sie in mehreren indischen Kliniken. Darüber hinaus referierte sie zu Ayurveda-Themen in Deutschland, der Schweiz, China und Indien. Seit 2010 arbeitet sie als Ayurveda-Expertin im Ayurveda Prakschlösschen in Traben-Trarbach.