Über 400 Ayurveda Fach-Beiträge
  Startseite  |  Sitemap  |  Links  |  AGB  |  Impressum  |  Kontakt 
Heft Nr. 10, Juni 2006 : 

Ayurveda Urlaub in Asien

Ayurveda Urlaub in Asien

Wellness oder traditionelle Kuren?

Wenn Sie gerne in die Ursprungsländer des Ayurveda reisen und in Verbindung damit auch ayurvedische Behandlungen erleben wollen, möchten wir Ihnen wichtige Orientierungshilfen geben, damit das Ganze nicht zu einer Enttäuschung für Sie wird. Klären Sie vor allem für sich selber, ob Sie einen schönen Urlaub mit viel Entspannung, Sightseeing, Baden und zusätzlich Ayurveda Wellness anstreben oder eine wirklich tiefgehende ayurvedische Reinigungskur (Panchakarma) durchführen möchten. Zwei der folgenden Autoren kennen Indien sehr gut und sind seit vielen Jahren als Ayurveda Experten medizinisch tätig. Sie stellen Ihnen ihre Erfahrungen zur Verfügung. Auch aus der Sichtweise des Leiters eines Ayurveda Resorts in Sri Lanka bekommen Sie nützliche Hilfestellungen.

Michael Rohrschneider: Zu den Wurzeln des Ayurveda – Pancha-Karma in Indien


Wer sich entschließt, eine ayurvedische Reinigungskur (Pancha-Karma, kurz PK) in Indien durchzuführen, ist gut beraten, sich ausgiebig zu informieren, eher bei kompetenten Fachleuten in Deutschland als in einem Reisekatalog.

Die Frage des eigenen Anspruchs ist natürlich von wesentlicher Bedeutung. Möchte ich eine authentische Pancha Karma Behandlung oder meinen Urlaub verschönern? Eine schöne Umgebung ist nicht der Garant für eine sinnvolle und fachmännisch durchgeführte PK. Ist eine PK überhaupt angezeigt? Sollten evtl. notwendige Vorbehandlungen wie z.B. die Beseitigung von Ama (nicht ausreichend verdaute Nahrungsbestandteile) nötig sein, kann das schon vor Reiseantritt geschehen oder Sie sollten es bei der Terminierung berücksichtigen. Diese Fragen sollten Sie von einem kompetenten Fachmann vor Ihrer Reise klären lassen. Am besten ist es, wenn Sie eine Klinik oder ein Ressort aufsuchen, das Ihnen ein Fachmann aus eigener Erfahrung empfehlen­ kann.

Nicht überall werden gute ayurvedische Öle und Medikamente verwendet. Ideal ist es auch, ein paar Tage zur Eingewöhnung einzuplanen, bevor die eigentliche Behandlung beginnt. PK ist ein intensiver Eingriff in den Organismus, deshalb sollten Sie direkt vor und nach PK keine touristischen Aktivitäten einplanen. Damit Sie sich auch wohlfühlen können, informieren Sie sich genau über die klimatischen Verhältnisse in Indien, die zu der Jahreszeit herrschen, in der Sie Ihren Aufenthalt planen. Wer eine klassische PK möchte, sollte mindestens 4-6 Wochen einplanen. Eine sinnvolle Kur lässt sich kaum in einem kürzeren Zeitraum durchführen. Liegt eine schwere Erkrankung vor, wäre auch zu berücksichtigen, dass die lange Anreise, die ungewohnte Nahrung und zu manchen Jahreszeiten auch das Klima sich nachteilig auswirken können.

In dieser Weise gut vorbereitet, können Sie sich der Vorzüge einer PK in Indien erfreuen. Das warme Klima, die ayurvedische Küche, das exotische Flair und die landschaftlichen Schönheiten tragen sicher dazu bei, dass manche weniger beliebte Behandlung, wie Vamana (therapeutisches Erbrechen) ein wenig gelassener durchlebt werden kann. Ein Nachmittag am Strand unter Palmen kann dann schon Balsam fürs Gemüt sein. Der Kontakt zu den freundlichen indischen Menschen, der indischen Kultur, diesem Land der extremen Gegensätze wird Sie sicher bereichern. In gut geführten Kliniken und Ressorts finden Sie auch einen Standard, der unseren westlichen Vorstellungen entspricht. Dort werden Sie von fachkundigen Ärzten und Therapeuten behandelt, und es werden auch klassische Öle und Produkte verwendet, die den indischen Exportbestimmungen für die EU entsprechen. Diese Einrichtungen haben aber auch ihren Preis. Eine Reise zu den Wurzeln des Ayurveda für die Gesundheit, kann zu einer lang spürbaren und unvergess­lichen Erfahrung werden. Es gibt also auch durchaus eine Menge gute Gründe, sich auf den Weg nach Indien zu machen.

Dr. Kalyani Nagersheth: Erfahrungsbericht – Ayurveda in Indien

Viele meiner Patienten wollten eine ayurvedische Reinigungskur in Indien (am Ursprung) durchführen, konnten aber kein Englisch und wollten von mir behandelt werden. Da ich schon seit sechs Jahren Pancakarma Kuren in meiner Praxis in Frankfurt anbiete und als deutsch/indische Ärztin eine Brücke zwischen beiden Kulturen bauen kann, hielt ich dies für eine gute Idee. Jedoch hatte ich nicht bedacht, dass Indien nicht für jeden geeignet ist.

Entweder man liebt es, oder man haßt es. Außerdem findet während der Panchakarma Kur nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Reinigung statt, d. h. es können starke Emotionen während der Kur entstehen. In der gewohnten Umgebung kommen die meisten Menschen mit diesen Emotionen zurecht. In Indien konnte ich nicht mehr einschätzen, ob die Emotionen meiner Patienten durch die Kur oder durch das fremde Land Indien bedingt waren. Obwohl im Vorfeld darauf hingewiesen wurde, dass während der Kur das Gelände nicht verlassen werden sollte, war dann die Enttäuschung doch groß. Wenn man schon nach Indien fährt, möchte man auch etwas von dem Land sehen und in Goa natürlich auch an den Strand gehen. Wellness-Behandlungen mit Badeurlaub oder Besichtigungen kombiniert, sind also sicher eine schöne Sache. Aber eine richtige Panchakarma Kur setzt eine andere Einstellung voraus.

Norbert W. Fischer, Greystones Villa: Begegnung mit dem authentischen Ayurveda

Indien und Sri Lanka verfügen über eine zweitausendjährige ayurvedische Kultur. Hier praktizieren erfahrene graduierte und traditionelle Ärzte. Die Länder besitzen - bedingt durch ihre vier Klimazonen - einen großen Reichtum an Heilkräutern und -pflanzen.
Der Ayurveda wird von der Regierung unterstützt und gefördert; es gibt ein eigenes Ministerium für einheimische Medizin.

Die Bedeutung des Klimas für eine ayurvedische Heilbehandlung
Die Lebensweise im Westen fördert das Ungleichgewicht vor allem von Pitta (Leistung, Konkurrenz, Ehrgeiz, Durchsetzung) und Vata (Komunikation, Stress, Hektik, Bewegung, Unregelmäßigkeit, Sorgen, Ängste). Die Kurgäste kommen mit Krankheitssymptomen, die also überwiegend auf eine Pitta und Vata Vikruti zurückzuführen sind.

Leider waren deshalb die Kurerfolge in meinem ersten Zentrum an der Westküste Sri Lankas nur mäßig. Die ayurvedischen Ärzte haben uns damals den entscheidenden Hinweis gegeben:

  1. StirngussDas Klima an der Südwestküste entspricht den Elementen Wasser + Feuer = feucht/schwül + heiß = Pitta. Es vermehrt genau das Dosha, das bereits im Ungleichgewicht ist.
  2. Das Klima trägt auch zu einem weiteren Ungleichgewicht von Vata bei: Klimaanlagen, Ventilatoren, die Bewegung des Meeres, der Wind, die ständige Ablenkung (beach boys, Tourismus etc.)

Weil wir das Wohlergehen der Gäste an die erste Stelle setzen, sind wir daraufhin bewusst in das landschaftlich reizvolle südöstliche Bergland Sri Lankas umgezogen. Das Klima in Diyatalawa (1400 m) enstpricht dem deutschen Mittelgebirgsklima im Sommer, es ist ein „tri-doshic-climate“, das ausgleichend auf alle drei Doshas wirkt. Gegenüber dem physiologisch belastenden tropischen Klima am Meer wird das fast ganzjährig warmtrockene Heilklima des Hochlands gerade von Europäern als sehr angenehm empfunden.

Das Baden im Meer während ayurvedischer Heilbehandlungen

Die ayurvedische Medizin und in erster Linie die äußeren Anwendungen während des Purva-Karma (Schwitzbäder, Dampfbäder, verschiedene Formen der Massagen) oder während einer Ayurveda-Kur haben die Funktion, die Gewebe zu lösen, zu lockern, weit zu stellen, um das Ama zu mobilisieren und dieses über die feinsten, äußeren Blutgefäße (srotas) und dann über die größeren Blutgefäße und - kanäle in den Bronchialbereich (Kapha - Erbrechen), in den Magen (Vireka) und den Darm (Vamana) zu transportieren und dort zur Ausscheidung zu bringen. Vor allem die feinen ayurvedischen Öle (in Asien) durchdringen alle Dhatus bis in das Knochenmark und sind (zusammen mit der Wärme und der Reibung) der Hauptmobilisator für das Ama.

Wenn nun der Körper des Patienten mit einem Medium in Kontakt kommt, dessen Temperatur unterhalb der Körpertemperatur liegt, dann verengen sich die feinen und feinsten Blutgefäße – der Abtransport des Ama wird behindert (blockiert); der Kurerfolg kann nicht oder nur vermindert eintreten.

Wenn jemand Ayurveda-Wellness genießen möchte, dann ist das ok; aber wenn jemand mit einer Ayurveda- oder Panchakarma-Kur ein ernsthaftes gesundheitliches Problem angehen möchte, dann muss er leider auf das Baden im Meer oder Pool verzichten - bei den tropischen Temperaturen an den Küsten oft eine ziemliche Herausforderung. Leider unterlassen viele Ärzte aus opportunen Gründen diesen Hinweis.

Ayurveda Journal 10 · Seiten 7 - 9

Michael Rohrschneider, Heilpraktiker (Psychotherapie und Naturheilverfahren), Ayurveda-Spezialist, Pancha-Karma-Therapeut, Seminarleiter, Meditationslehrer. Seit 1990 im Ayurveda tätig. Seit 8 Jahren Leiter des Zentrums für Ayurveda-Medizin Hamburg. Ausbildungen in Indien an verschiedenen Kliniken und Hospitälern in Pune und Nagpur und am Ayurveda College in Coimbatore.
Sand 13 · 21073 Hamburg, Tel. 040-77 97 37
E-Mail: rohrschneider(at)ayur-med.de · www.ayur-med.de

Norbert W. Fischer
Kuren: Nandhi Ayurvedic Therapies GmbH
Christophstr. 5 70178 Stuttgart
Tel.: 0711-2348144, www.greystones-villa.de

Frau Dr. med. Kalyani Nagersheth
Vogelweidstr. 8 · 60596 Frankfurt
069/63199772
kalyani_nagersheth(at)hotmail.com
www.ayurveda-ffm.de

Zum Shop

Zum Ayurveda-Markt Shop

Gratis Ayurveda Journal sichern!