Unser Körper braucht Zuwendung

In der Einführung zu unserer neuen Serie „Ayurveda und Frauen“ haben wir uns mit dem Superwoman-Dilemma beschäftigt. Die Ausübung der vielen Rollen einer Frau kann zu Erschöpfung und Überforderung führen. Wie kann das alte Wissen des Ayurveda uns im Hier und Jetzt helfen, glücklich und gesund zu bleiben? Der Ayurveda beschreibt vier Säulen der Gesundheit: Körper, Geist, Sinne und Spiritualität, die wir stärken und nähren sollten. In dieser Ausgabe geben wir Tipps, die den Körper aufbauen und in Balance halten.

Ist unser Körper in Balance, produziert er Ojas – die essenzielle Lebenskraft, die uns Energie und körperliche Ausdauer gibt. Sind unsere Doshas im Gleichgewicht und funktioniert unser Stoffwechsel optimal, entsteht dieses feine, nicht fassbare Endprodukt. Reiches Ojas zeigt sich in Glanz, Ausstrahlung und spürbarer Lebensfreude. Soweit zur Theorie.
Wie schafft man es jedoch im stressigen Alltag, Ojas aufzubauen und zu erhalten? Stress, Schlafmangel, ungesunde Ernährung, eine Lebensweise, die uns nicht glücklich macht: All dies raubt uns Ojas. Diese Räuber zu erkennen, ist ein erster Schritt. Der zweite ist, durch ayurvedische Maßnahmen gegenzusteuern. Frauen müssen heute im Job ihren Mann stehen und haben oft Doppelbelastung mit Arbeit und Familie. Irgendwann melden sich die Wechsel-jahre und wir machen einfach weiter. Unser Körper funktioniert und das nehmen wir als völlig selbstverständlich hin. Je nach ayurvedischem Konstitutionstyp geht das auch eine ganze Zeit lang gut. Beachten wir die Warnsignale unseres Körpers nicht, stellen sich unter Umständen
irgendwann die ersten Zipperlein ein. Das können z. B. Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlaf-losigkeit, Verdauungsstörungen oder Rückenschmerzen sein.

Tipps für den Alltag

Anspannung und Entspannung gehören unbedingt zusammen. Anspannung ist wichtig und gibt uns die nötige Energie für alle unsere Aufgaben und Ziele im Leben. Aus ayurvedischer Sicht können wir aber nur gesund bleiben, wenn wir uns auch regelmäßig entspannen. Die Zeit dafür nehmen wir uns selten. Meistens fällt das Vorhaben „jetzt lasse ich es mir gut gehen“ von der Tagesliste herunter. Dabei müssen wir gar keinen ganzen Tag entspannen, kleine tägliche Auszeiten helfen schon ungemein. Hier ein paar einfache Tipps, um die Balance zu
wahren.

1. Heisswasser-Trinkkur

Genug zu trinken ist wichtig und wird in Stresszeiten oft vergessen. Im Ayurveda hat der Genuss von warmem Wasser eine Vata reduzierende Wirkung. Kochen Sie morgens zwei Liter Wasser zehn Minuten lang ab und füllen Sie es in eine Thermoskanne. Trinken Sie das warme Wasser ca. alle halbe Stunde über den ganzen Tag verteilt.

2. Ayurvedische Massagen

Abhyanga (Ganzkörper-Ölmassage) ist die beliebteste ayurvedische Anwendung. Bei dieser Ganzkörpermassage mit warmem Öl breitet sich eine lösende und regenerierende Wirkung im Körper aus. Das Ergebnis ist tiefe Entspannung. Abhyanga macht physisch und psychisch stabiler, kräftigt, bringt ins Gleichgewicht und gibt eine – auch im
übertragenden Sinn – äußere Schutzhülle. Regelmäßiges Abhyanga hilft in akuten Stresszeiten und wirkt auch vorbeugend. Am besten suchen Sie sich einen Ayurveda-Therapeuten Ihres Vertrauens und gönnen sich diese Auszeiten regelmäßig einmal im Monat.

3. Ayurvedische Nahrungsergänzungsmittel

Sie sind der Klassiker im Ayurveda und werden schon seit Jahrtausenden genutzt, um den Körper zu unterstützen:

Shatavari ist im Ayurveda das Kraut für die Frau. Es harmonisiert und beruhigt Vata und Pitta und leistet Hilfe bei physischer und psychischer Erschöpfung.

Brahmi unterstützt uns in Stresszeiten. Es reduziert insbesondere das Vata-Dosha.

Triphala wirkt harmonisierend auf alle drei Doshas und ist eine der beliebtesten ausgleichenden Kräuterkombinationen. Es unterstützt eine gesunde Darmfunktion.

4. Aromaöle

Für die schnelle Entspannung zwischendurch eignen sich besonders ätherische Aromaöle, die unkompliziert in der Duftlampe verwendet werden können.
Da der Geruchssinn direkt an das limbische System gekoppelt ist, wirken Düfte unmittelbar auf uns. Sie fördern das Wohlbefinden, bauen Stress ab, harmonisieren, können aktivieren, erheitern oder entspannen.
Rose: wirkt direkt auf das Herzchakra, hilft bei Traurigkeit
oder Schlaflosigkeit.
Orange: wirkt harmonisierend und erwärmend.
Lavendel: wirkt beruhigend und reinigend bei Stress, Nervosität, Schlafstörungen und Ärger.
Jasmin: hilft bei nervöser Erschöpfung.
Vata/Pitta/Kapha-Öle: wirken Dosha-entsprechend:
beruhigend (Vata), besänftigend und kühlend (Pitta), anregend (Kapha).

Wählen Sie intuitiv ein oder zwei Aromaöle aus und mischen Sie einige Tropfen von z. B. Rose + Lavendel oder Orange + Jasmin.

5. Entspannungsübung am Abend

Es war ein stressiger Tag und Sie möchten nur noch auf die Couch? Nehmen Sie sich trotzdem die Zeit und machen Sie zuerst die einfache, aber effektive Yoga Entspannungsübung „Shavasana“, um die Anspannung des Tages loszuwerden und den Geist zur Ruhe zu bringen.
Sorgen Sie dafür, dass Sie einen Augenblick völlig ungestört sind. Legen Sie sich auf einer Yogamatte auf den Boden. Sie liegen auf dem Rücken, decken Sie sich evtl. mit einer Decke zu, wenn Ihnen schnell kalt wird. Legen Sie die Arme locker neben den Körper, die Hand-flächen zeigen zur Decke. Öffnen Sie die Beine etwa hüftbreit und lassen Sie die Fußspitzen entspannt nach außen fallen. Drehen Sie nun den Kopf einmal langsam nach links, dann wieder zur Mitte und langsam nach rechts und wieder zur Mitte, um die Nackenmuskulatur sanft zu entspannen, und ziehen Sie das Kinn Richtung Brust. Dann atmen Sie mehrmals tief in den Bauch ein und langsam wieder aus. Stellen Sie sich bei jedem Ausatmen vor, dass Ihr Körper etwas weiter in den Boden sinkt. Lassen Sie die Gedanken kommen und gehen. Halten Sie nichts fest. Liegen Sie ganz entspannt und lassen Sie den Atem fließen. Genießen Sie das „Getragenwerden“ von der Erde. Liegen Sie mindestens zehn Minuten in Stille.

6.Einschlafhilfe

Die Gedanken kreisen noch sorgenvoll um den Tag? Ein Fußbad und eine abendliche Fußmassage machen den Kopf frei und bereiten auf einen erholsamen
Schlaf vor. Am Fuß befinden sich viele Energiepunkte, die im Ayurveda Marmapunkte genannt werden. Die Stimulation von Marmapunkten beseitigt Blockaden und lässt die Energie wieder frei fließen. Daher hat sie eine entspannende, beruhigende und klärende Wirkung auf den ganzen Körper.
Geben Sie in eine Fußbadschale mit warmem Wasser einige Tropfen ätherisches Öl. Es eignen sich z. B. Lavendel, Orange oder Melisse. Danach die Füße gut abtrocknen und mit ange-wärmten Mandelöl oder Ghee einölen. Mit dem rechten Fuß beginnen. Trauen Sie sich und massieren Sie intuitiv. Sie können nichts falsch machen. Erlaubt ist alles, was sich gut anfühlt.
Umkreisen Sie Knöchel, kreisen Sie die Fußsohle im Uhrzeigersinn, kneifen Sie die Ferse, ziehen Sie die Achillessehne, streichen Sie den Fußrücken und zupfen die Zehenzwischen-räume aus. Sie kommen dann automatisch an den Marmapunkten im Fußbereich vorbei. Zum Schluss streichen Sie den ganzen Fuß mehrmals ganz aus (vom Knöchel bis zur Fußspitze)
und ziehen sich eine warme Socke an. Dann massieren Sie den linken Fuß.

Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und gönnen Sie sich Auszeiten. Das sind erste Schritte für ein ayurvedisch ausgeglichenes Lebensgefühl voller Freude, Intensität, Kraft und Spaß am Leben. Fördern Sie Ihr Ojas!

Erschienen im Ayurveda Journal 54

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Entschleunigung“.

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