Bereits der Name klingt anmutig: Ashoka bedeutet auf sanskrit

„Frei von Sorge“.

Noch heute wird dieser für Hindus und Buddhisten heilige Baum von indischen Frauen angerufen, um von Sorgen zu befreien. Denn die göttliche Sita fand Zuflucht unter ihm als der Dämon Ravana sie im großen Epos Ramayana gefangen hielt.

Sich gänzlich von Sorgen zu befreien, vermochte der Buddha, der unter diesem Baum geboren wurde. Und als die Göttin Parvati dereinst einen Ashoka pflanzte, erklärte sie den verwunderten himmlischen Kollegen, dass ein solcher mehr Wert sei als zehn Söhne. So essen Mütter in Bengalen bis heute seine orangenen Blüten zum Schutz ihrer Kinder. Diese Blüten, die weithin in der heiligen Farbe Indiens leuchten, werden zudem in Tempeln dargebracht. Schön und schlank sind auch die immergrünen, also „unsterblichen“ Blätter. Demnach nimmt es nicht Wunder, dass der indische Liebesgott Kama einen seiner duftenden Blütenpfeile aus den Zweigen des Ashoka-Baumes schnitzt.

So eigentümlich die Sprache der Mythologie erscheint, sie offenbart
doch nützliche Wahrheiten: Denn auch medizinisch ist Ashoka
ein

„Baum der Weiblichkeit“.

Wirkungen

Schon in den ältesten Ayurveda-Texten finden sich detaillierte Beschreibungen über die Wirkungen des Ashoka. Er ist bitter und kühlt, besonders das Blut, pitta, brennende Empfindungen und Durst. Durch seine zusammenziehenden und trockenen Eigenschaften wirkt er blutstillend und hemmt die niederwärts gerichteten Flüsse, vor allem der Gebärmutter. Er löst Krämpfe und stillt somit Schmerzen der Regelblutung. Dabei tonisiert er das Endometrium und die Eierstöcke und soll Toxine beseitigen.

Einsatz

Wie eine Kodierung erscheinen die mythologischen Beschreibungen, die sich um Ashoka ranken, wenn man weiß, dass die Rinde dieses Baumes vor allem bei Störungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane eingesetzt wird.

Jedoch nicht bei allen Symptomen. Die Hauptindikationen bilden zu starke Menstruation sowie Zwischenblutungen, besonders wenn diese mit krampfhaften Schmerzen einhergehen. Aber auch der Weißfluss und Hitzewallungen haben sich als Einsatzgebiet bewährt. Generell wirkt sich Ashoka gut bei „vermehrtem Fluss“ (Durchfall), bei Störungen des Blutgewebes (innere Blutungen) und bei Hitzerkrankungen (Brennen, Entzündungen) aus. Die moderne Forschung interessiert sich vor allem für die Wirkungen des Ashoka auf weibliche Hormone und Gebärmutterwucherungen.

Kontraindikationen

Entsprechend wird Ashoka bei stockender Regelblutung, Verstopfung und Störungen, die mit kühlen und trockenen Symptomen einhergehen, gemieden. Und es sei darauf hingewiesen, dass von den genannten Einsatzgebieten vor allem starke Blutungen von medizinischem Fachpersonal versorgt werden müssen.

Verwendete Pflanzenteile und Präparate

Hauptsächlich wird vom Ashoka-Baum die Rinde verwendet, zuweilen auch die Blüten, die als besonders blutstillend gelten, und selten die Samen. Traditionell bevorzugen Ayurveda-Spezialisten das feine Pulver der Rinde, trotz des Geschmacks. In dieser trockenen Form wird die zusammenziehende Wirkung intensiviert. Bei der vor allem in Südindien beliebten Form des Kräuterweins (Ashokarishta) ist zu bedenken, dass der Alkoholgehalt (ca. 10-12%) die Hitze des Blutes fördern und nicht nur pitta-artige Nebenwirkungen nach sich ziehen kann.

Fazit

In der Sprache der Mythen seit alters her als „Baum der Weiblichkeit“ gelobt, besänftigt Ashoka den Menstruationsfluss, tonisiert und entkrampft die Gebärmutter und kühlt das Blut. Möge diese wertvolle Pflanze helfen, auch bei uns von Sorgen zu befreien.

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Elmar Stapelfeldt

Elmar Stapelfeldt ist Magister der Indologie an der Universität Tübingen mit Schwerpunkt Sanskrit und Ayurveda-Klassiker. Heilpraktiker. Praktische Ausbildung bei Dr. S.N. Gupta in Indien. Fachlicher Koordinator der Ausbildung für Ärzte und Heilpraktiker, Dozent und Kurleiter an Rosenberg‘s Europäischer Akademie für Ayurveda. Buchautor: Ayurveda Manualtherapie und Ausleitungsverfahren.
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