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Medizin : 

Asavarishta

Asavarishta

Ayurvedische Kräuterweine

Die ayurvedische Lehre von Substanzen und deren Eigenschaften (Dravya Guna Vijnana) setzt sich aus vier ineinander greifenden Fachbereichen zusammen:

  • Nama Rupa Vijnana
    • Beschreibung der Kräuter, Namen und Synonyme, morphologischer Charakter
  • Guna Karma Vijnana
    • Eigenschaften und Wirkung der Kräuter
  • Prayoga Vijnana
    • Unterstützung der Körpergewebe durch Kräuter, Einnahmemengen, Trägersubstanzen (Anupana), begleitende Diät (Pathya & Apathya)
  • Bheshaja Kalpana
    • Sammlung und Ernte der Kräuter, Lagerung, Zubereitungsarten

Der vierte Fachbereich der Zubereitung beschreibt vielfältige Herstellungsprozesse für Substanzen aus der Pflanzen- und Tierwelt sowie dem Reich der Mineralien und Stoffe aus der Erdkruste.

Die klassischen fünf Extraktionsformen (Panca Kashaya) umfassen Frischsäfte (Svarasa), Pasten (Kalka), Abkochungen bzw. Dekokte (Kvatha), Kaltwasserauszüge bzw. Mazerate (Hima) und Teeaufgüsse bzw. Infuse (Phanta). Hinzu kommen die fettigen Zubereitungen der Butteröle (Ghrta) und Pflanzenöle (Taila), Konfekte (Avaleha), Sirupe (Sharkara), Extrakte (Ghanvati), Tabletten (Vati), Pillen (Gutika) und Pulver (Curna).

Keine Naturheilkunde hat es bis heute zu einer derartigen angewandten Vielfalt gebracht – genau diese alchimistischen Kenntnise haben der ayurvedischen Kräutertherapie großartige Erfolge in der Nahrungsergänzung ermöglicht.
Eine weitere besondere Gruppe alchimistischer Zubereitungen sind die Kräuterweine (Madhya Kalpana).

Diese werden in zwei Gruppen eingeteilt:

ASAVA Wein durch Fermentierung eines Frischsaftes oder Mazerates
ARISHTA Wein durch Fermentierung eines Dekoktes.
Beide Varianten ähneln sich in der Herstellung, den Arishta wird jedoch aufgrund der vorherigen intensiven Extraktion durch Abkochung eine stärkere Wirkung zugeschrieben.

Ayurvedische Kräuterweine werden sowohl kurativ als auch präventiv in der Ernährungsmedizin eingesetzt. Hierzu ein Zitat aus Caraka Samhita, Su.27.178-195:

„Frischer Wein gilt als schwer, aggraviert alle drei Dosha. Alter Wein klärt die Zirkulationskanäle, ist leicht, verdauungsfördernd und schmackhaft. Wein grundsätzlich wirkt nährend, fördert Kühnheit, Imagination, Zufriedenheit, Korpulenz und Stärke. Er vertreibt Kummer, Müdigkeit und Furcht. Wein aus Trauben wirkt wie Nektar, wenn von Sattva-dominierten Menschen mit Vernunft und entsprechend grund­legender Regeln getrunken.“

Wein gilt im Geschmack als vorwiegend sauer und wirkt erhitzend. Menschen, die unter unreinem Blut leiden, sollten Weine besser meiden. Dazu gehören chronische Entzündungsprozesse und Hauterkrankungen sowie schubweise verlaufende Krankheitsbilder, bsp. aus dem rheumatischen Formenkreis.

Herstellung von Kräuterweinen­

Zur Herstellung kommen vier Arten von Substanzen zum ­Einsatz:

  1. Hauptkräuter
  2. Flüssigkeiten: u.a. Frischsäfte, Dekokte oder einfaches Wasser
  3. 20-40% Süßmittel: Rohrzucker als Sharkara oder alter Jaggery, alter Honig
  4. Initiatoren der Fermentation (Prakshepa)

Die Substanzen werden in Gefäßen aus Ton, Eisen, Kupfer, Gold, Holz oder Porzellan zur Fermentation gebracht. Die Gefäße müssen klassischerweise zuvor durch Pasten aus Honig, Ghee oder Eisen gereinigt und durch Räucherung mit Sandelholz, Guggulu oder Schwarzpfeffer desinfiziert werden.

Die Fermentation wird nun im geschlossenem Gefäß bei über 25 Grad durch beigefügte Substanzen wie Blüten aus Woodfordia fructicosa (Dhataki) oder Mesua ferrea (Nagakeshara) initiiert – diese Blüten beherbergen einen Pilz, der die Vergärung erzeugt.

Der Alkoholgehalt liegt zumeist zwischen 6-8%.

Vorteile des Einsatzes von Kräuterweinen

Kräuterweine sind äußerst subtil und schnell wirkend. Sie penetrieren selbst feinste Kanäle der Mikrozirkulation und entfalten ihre Wirkungen in entlegenen Körperregionen.

Fünf grundlegende Vorzüge lassen sich ­differenzieren:

 

  • Sublinguale Absorption: bereits unter der Zunge werden die Wirkstoffe aufgenommen, somit ist die Wirkung vom Zustand des Magen-Darmtraktes relativ unabhängig
  • Geschmacksverbesserung: viele äußerst unangenehm schmeckende ayurvedische Pflanzen können dadurch eingenommen werden
  • Schnelle Verteilung der Wirkstoffe, schnellerer­ Wirkeintritt und hohe Effizienz
  • Keine Wirkstoffverluste durch Lagerung und Alter, wie es sonst bei getrockneten Kräutern der Fall ist
  • Antimikrobielle Eigenschaften und natürliche Konservierung durch den Alkohol.

Um die Vorteile nutzen zu können, sollten immer möglichst alte Weine (Purana Asavarishta) bevorzugt werden.

Bei Caraka werden bereits 84 Asava unterschieden:

01 Sharkarasava
aus Zucker

06 Dhayasava
aus Getreide

20 Sarasava
aus Hartholz
Bsp. Sandelholz

10 Pushpasava
aus Blüten
Bsp. Dhataki (s.u.)

11 Mulasava
aus Wurzeln
Bsp. Ashvagandha, Shatavari, Rizinuswurzeln

02 Patrasava
aus Blättern
Bsp. Patola

26 Phalasava
aus Früchten
Bsp. Trauben, Datteln, Amalaki

04 Kandasava
aus Stengeln
Bsp. Zuckerrohr (Ikshu)

04 Tvakasava
aus Rinden
Bsp. Lodhra

Nachteile des Einsatzes von Kräuterweinen

Die regelmäßige Einnahme bedingt die stetige Zufuhr von Alkohol, wenn auch in geringer Menge – aufgrund des ohnehin übermäßigen Konsumes alkoholischer Getränke in Deutschland ist dieser Aspekt immer im Einzelfall abzuwägen. Alkoholiker, auch wenn seit Jahren „trocken“, dürfen keineswegs an Kräuterweine herangeführt werden.
Ein weiterer Nachteil liegt in der potentiellen Blutverunreinigung durch alkoholische Zubereitungen und Erhöhung der sauren, scharfen und heißen Pitta-Qualitäten.

Beispiele ayurvedischer Wirkung ausgewählter Kräuterweine
Die folgenden Wirkungen entsprechen Angaben der ayurvedischen Klassiker und stellen keinerlei Heilversprechen dar.

Der therapeutische Einsatz bleibt ausschließlich den medizinischen Berufen des Arztes oder Heilpraktikers in Deutschland vorbehalten – Voraussetzung hierfür ist eine umfassende Ausbildung in ayurvedischer Medizin.

  • Ashvagandharishta
    • Schlafstörungen, nervöse Beschwerden, Auszehrung, Schwäche des Fortpflanzungsgewebes, in der Geriatrie, immunstärkend
  • Arjunarishta
    • stärkt das Herz und den Kreislauf
  • Ashokarishta
    • unterstützt den harmonischen Menstruationszyklus der Frau
  • Dashamularishta
    • bei Appetitverlust, allgemein stärkend für ­Prana Vata
  • Sarasvatarishta
    • gedächtnis fördernd, BrainTonic, Schlafstörungen, Intelligenz fördernd, Rasayana, Nervenschwäche, Rastlosigkeit
  • Kumariasava
    • stärkt das Blut und die Verdauung, unterstützt die Leber, harmonisiert den Menstruationszyklus
  • Pippalyadiasava
    • schwache Verdauung, Appetitlosigkeit, Erkältungen, Husten
  • Lauhasava
    • stärkt das Blut, bei allgemeiner Schwäche

Moderne Betrachtung von Weingenuß

Der Konsum von Trauben-Wein zum Essen ist in den meisten europäischen Ländern über Jahrhunderte zur Tradition und Lebenskultur gereift.

Aus ayurvedischem Blickwinkel sollten Sie trockene, mindestens 3 Jahre alte Rotweine den Weiß- und Roseweinen vorziehen. Rote Trauben sind weniger säurehaltig, der Wein enthält mehr Tannin-Gerbstoffe und seine antioxidative Wirkung durch Resveratrol übersteigt gemäß neuesten Untersuchungen die Weiß- und Roseweine um ein Vielfaches. Sollten Sie dennoch Weißwein-Liebhaber sein, eignen sich hier alte Weine oder Spätlesen am ehesten.

Ayurveda Journal 11 · Seiten 24 - 25

Ralph Steuernagel
Hp. für Komplementärmedizin und Ayurvedamediziner in ambulanter Praxis in Bad Homburg und stationärem Kurzentrum in Bad Nauheim, erfahrener Ausbildungsleiter in eigener Akademie mit über 1100 Seminartagen in den letzten elf Jahren im In- und Ausland, langjährige Ausbildung bei führenden Ayurveda-Gelehrten Nordindiens, Ausbildungen in Chinesischer Medizin und europäischer Humoralmedizin, Schwerpunkte: Innere Medizin, Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie und ganzheitliches Stressmanagement, komplementäre Dermatologie und Onkologie, Rheumatologie
Tel. 06172-68 46 47 · www.steuernagel-akademie.de

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