Immer mehr Menschen sind von Allergien verschiedenster Art betroffen, etwa von Lebens-mittelallergien, Kontaktallergien, Arzneimittelallergien und eben auch von allergischem Asthma bronchiale. Die Schulmedizin tut sich noch schwer, diese Zunahme umfassend zu erklären. Auch die individuelle Vielfalt, in der sich Allergien äußern, ist noch rätselhaft. Als Lehre, die fundamental die persönliche Konstitution sowie die Wechselwirkung von Mensch und Umwelt
berücksichtigt, bietet Ayurveda sehr differenzierte Erklärungen für Ursachen, Entstehung und Entwicklung von allergischen Krankheitsverläufen. Bei der Betrachtung von allergischen Haut- reaktionen und asthmatischen Symptomen wird dies deutlich.

HAUTALLERGIEN

Hauterkrankungen heißen im Ayurveda Kustha. Bei Ekzemen, die meist eine allergische Grundlage haben, sind Vata, Pitta und Kapha involviert. Eines der Doshas ist jeweils dominant und bestimmt entscheidend die individuelle Erscheinungsform des Ekzems auf der Haut. Nach
ayurvedischen Ansatz sind außerdem
Rakta (Blut), Tvak (Haut), Mamsa (Muskelgewebe) und Lasika (Lymph-Gewebsflüssigkeit) beteiligt. In den meisten Fällen spielt ebenso Ama (nicht ausgereifte Stoffwechselprodukte) eine Rolle bei der Entstehung einer solchen Allergie.

Ursachen können sein:

  • zu viel ölige und fettige Nahrungsmittel
  • schwer zu verdauende Nahrungsmittel
  • sehr salzige und saure Nahrungsmittel
  • Tagesschlaf
  • psychische Belastungen
  • Unterdrückung von natürlichen Bedürfnissen wie Stuhlgang usw.
  • körperliche Anstrengung nach schwerer Mahlzeit
  • Nahrungsaufnahme nach nicht vollständiger Verdauung der vorherigen Mahlzeit
  • zuviel Weißmehl, Fisch, Joghurt

Die Schulmedizin tut sich, wie gesagt, noch schwer mit Erklärungen für die individuelle Re- aktion auf Allergene. Die Erhöhung von z. B. Immunglobulin IgE oder die Beteiligung von Histamin sind als mitverantwortliche Auslöser für eine Allergie bekannt, erklären aber nicht, warum in einem Fall das Allergen oder der Reiz zur einer allergischen Reaktion führt und in einem anderen nicht. In ayurvedischer Sichtweise stimulieren die stofflichen Reize eine Vermehrung der Doshas, die als Ursache der Erkrankung zu verstehen ist. Dass Ayurveda
damit richtig liegt, zeigen die Behandlungserfolge.

ASTHMA

Die moderne westliche Medizin gibt für Asthma bronchiale vielfältige Ursachen an: Einflüsse aus der Umwelt, genetische Faktoren und teilweise auch psychische Bedingungen. Die entdeckten Zusammenhänge sind wichtig, doch damit ist die Reaktion des Individuums noch nicht auf einer fundamentalen Ebene verstanden. Ayurveda bietet ein umfassendes und komplexes theoretisches und lebenspraktisches System. Aus diesem heraus ist die letztlich entscheidende und auslösende Ursache von Asthma in der Vermehrung der Doshas zu sehen
und den daraus resultierenden Störungen im Atemprozess.

Mögliche Ursachen für eine Dosha-Vermehrung (Dosha Vruddi) von Vata und Kapha Dosha
können sein:

  • trockene Nahrungsmittel
  • erschöpfende Tätigkeiten, auch psychisch bedingte
  • Trockenheit des Körpers, trockene Kälte, Staub
  • Inhalation von Dämpfen
  • Übermaß an fettiger Nahrung
  • kalte Milchprodukte, feuchte Kälte
  • Agni-Schwäche und in der Folge Ama (nicht ausgereifte Stoffwechselprodukte)
  • unbehandelte Bronchitis und allergische Rhinitis (Asthma als Folgeerkrankung)

Im Ayurveda heißen Erkrankungen mit dem Symptom Atemnot  Svāsa. Die Symptomatik von Tamaka Svāsa ist mit dem Asthma bronchiale vergleichbar.
Betroffen sind die Atemwege (
Prana-Vaha-Srotas), deren Funktionen beeinträchtigt werden. Das beteiligte Vata bewirkt einen Bronchialspasmus, der die Ausatmung erschwert. Kapha wiederum kann zu einer starken Verschleimung der Bronchien führen, die den Fluss der Atemluft behindert.

Ferner können weitere Körperkanäle (Srotas) wie der End- und Mastdarm (Purisha Vaha Srotas) und der Verdauungstrakt (Anna Vaha Srotas) an der Entstehung von Asthma beteiligt sein. Ist der Darm blockiert, fällt die Atmung schwerer.

Es gibt, neben verschiedenen anderen, noch eine weitere von Form von Svāsa, mit der Be- teiligung von PittaDosha, die hier nicht weiter beschrieben werden soll.

Die Schulmedizin nennt ähnliche Reize wie der Ayurveda als auslösende Faktoren:

  • körperliche Anstrengung, Kälte, Zigarettenrauch, Luftverschmutzung, Staub
  • Pollen, Übergewicht, fettige Lebensmittel
  • Entzündungen der Atemwege durch Viren, Bakterien, Schimmel, Tierhaare
  • psychische Zusammenhänge werden nicht ausgeschlossen.

Psychische Einflüsse bei der Entstehung von Asthma und Ekzemen sind in der Schulmedizin umstritten. Das Spektrum der Meinungen reicht hier von Medizinern, die jede Bedeutung psychischer Faktoren für allergische Störungen bestreiten oder in ihrer Praxis jedenfalls ignorieren bis hin zu Medizinern, die der Psyche eine entscheidende Rolle beimessen. Ayurveda sieht die körperlichen Doshas Vata, Pitta und Kapha stets in engem Zusammenhang mit den Gunas, den „geistigen Doshas“ Rajas, Tamas und Sattva. Deshalb geht Ayurveda immer auch von einer psychischen Beteiligung aus. Rajas hat eine Wechselwirkung mit Vata und Pitta, Tamas steht in Beziehung zu Kapha. Sattva als dritte Komponente auf der geistigen
Ebene hat keine körperliche Entsprechung und ist an der Entstehung von Krankheiten nicht beteiligt. Die oben beschriebenen Auslöser haben sowohl auf die körperlichen wie auf die geistigen Doshas Einfluss. Alter Käse vermehrt Kapha, was Tamas stimulierend wirkt. Trockene Nahrung wie Knäckebrot oder scharfe Gewürze wie Chili machen Rajas dominanter.
Nicht nur die Ernährung sondern auch die allgemeine Lebensweise nimmt Einfluss auf die Gunas. Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Erfolgsstreben vermehren Rajas. Interesselosigkeit und Eigensucht stärken Tamas und fördern damit auch die entsprechenden Doshas Vata, Pitta und Kapha.

BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN BEI ASTHMA BRONCHIALE IN AKUTEN FÄLLEN:

Panchakarma (Ausleitungstherapien)

  • Purvakarma (Vorbehandlungen): Abhyanga (Ölmassage) mit Narayana tailam / Steinsalz und Schwitzbehandlung
  • Pradhankarma (Hauptbehandlung): Virechena (Ausleitung über den Darm), Vamana (Therapeutisches Erbrechen)
  • Pascatkarma (Nachbehandlung): Spezielle Diät
  • Nahrungsergänzungsmittel: Sitopaladi, Karpuradi, Pipalyadi, Dashamularishta, Dashamul Kwatha, Chyavanprash

BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN BEI ALLERGISCHEM EKZEM:

Panchakarma (Ausleitungstherapien)

  • Vorbehandlung: Beseitigung von Ama (Amapacan) und Massagen
  • Hauptbehandlung: Virechena, Vamana, Raktamoksha (Aderlass)
  • Nachbehandlung: Spezielle Diät
  • Nahrungsergänzungsmittel: Panchatiktam Gritham, Khadiarishta, Mahamanjasthadi
    Kwatha, Saravadiasava.

Wie immer ist die beste Behandlung das Vorbeugen.
Pflegen Sie eine Ihrer Konstitution und ihrem Alter sowie der Jahreszeit entsprechende Ernährung und Lebensweise. Essen Sie so natürlich wie möglich. Meiden Sie Fertigprodukte und Nahrungsmittel, die mit künstlichen Aroma- und Konservierungsstoffen versetzt sind. Meiden Sie die oben aufgeführten Reize und Allergie-Ursachen entsprechend Ihren individuellen Belastungsgrenzen. Hören Sie auf, sich zu vergleichen mit anderen und deren Leistungs- fähigkeit. Lernen Sie wieder, die Signale Ihres Körpers und Ihrer Psyche zu spüren und darauf
zu reagieren. Achten Sie auf Ihr persönliches gesundes Verhältnis von Anspannung und Ent- spannung im täglichen Leben. Fördern Sie sattvische Qualitäten durch Meditation und Yoga.

 

Erschienen im Ayurveda Journal 49

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Detox“.

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Michael Rohrschneider
Michael Rohrschneider, Heilpraktiker (Psychotherapie und Naturheilverfahren), Ayurveda-Spezialist, Pancha-Karma-Therapeut, Seminarleiter, Meditationslehrer. Seit 1990 im Ayurveda tätig. Seit 8 Jahren Leiter des Zentrums für Ayurveda-Medizin Hamburg. Ausbildungen in Indien an verschiedenen Kliniken und Hospitälern in Pune und Nagpur und am Ayurveda College in Coimbatore.